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Tour de Suisse Women

Vier Tage Velo und Team gewechselt - Erlebnisbericht von Nicole Koller

18. - 21. Juni  Tour de Suisse Women

Nach der im letzten Jahr erstmaligen Austragung, stand auch dieses Jahr die Tour de Suisse Women in der Saisonplanung von Nicole Koller. Die viertägige Tour bestritt Koller mit der Schweizer Nationalmannschaft, in welcher sie als wertvolle Helferin agierte. Die Erlebnisse der vier Etappen und die gewonnenen Erkenntnisse schildert Koller wie folgt.  

 

1.       Etappe: Vaduz-Vaduz, 46 km & 650hm

Der Auftakt der Tour de Suisse Women fand in Vaduz statt, wobei es einen 4,6km langen Rundkurs mit je rund 60 Höhenmeter zehn Mal zu absolvieren galt. Es war eine Abendetappe, was eine Besonderheit im Strassenradsport ist. Für Koller entsprach dieser Auftakt eher einem Cross Country anstatt Strassenrennen, also für sie bekannteres Terrain. Bereits bei dieser Etappe versuchte Koller sich für das Team einzusetzen. Nachdem es drei Fahrerinnen gelungen war, sich aus dem Feld abzusetzen, versuchte Koller gegen Ende des Rennens mit aktivem Einsatz in der Fläche den Zeitrückstand auf die drei Ausreiserinnen zu minimieren.  Diese Tempoangabe zuvorderst des Feldes verbrauchte einige Körner, weshalb Koller dann das Feld am Anstieg in der zweitletzten Runde ziehen lassen musste. Die letzte Runde fuhr sie dann noch allein bis ins Ziel.

 

2.       Etappe: Vaduz Einzelzeitfahren, 26km & 140hm

Da die erste Etappe am Vorabend erst um 19.30 startete, blieb bis zum Einzelzeitfahren vom Sonntag nicht viel Erholungszeit übrig. Dies merkte auch Koller, sie startete bereits um 10:34 in das eher lange Einzelzeitfahren (26km). In Anbetracht der hitzigen Temperaturen war dies aber sicherlich vorteilhaft. Die Frauen absolvierten dabei genau den gleichen Kurs, wie ihre männlichen Kollegen am Nachmittag. Der Parcours war sowohl technisch als auch topografisch gesehen nicht sonderlich anspruchsvoll, weshalb reine Zeitfahrer-Spezialistinnen als Anwerterinnen auf den Tagessieg galten. Allgemein empfand Koller die Austragung des Einzelzeitfahrens innerhalb dieser Frauen Tour als sehr speziellen Anlass, viele solcher Events auf internationalem Niveau finden nämlich nicht statt. Für Koller war das Einzelzeitfahren, obwohl sie mit dem neuen Velo vorweg kaum trainierte, ein super Erlebnis. Sie liess sich nicht von Wattzahlen verwirren und quälte sich über die langen 26km so gut es ging ins Ziel. Als drittbeste Schweizerin rangierte sie sich auf dem 22igsten Platz.  

 

3.       Etappe: Vaduz – Chur, 124km & 1'423hm

Am dritten Tag der Tour stand dann das erste klassische Strassenrennen auf dem Programm. Der Kurs verlief mit einem Ausflug ins Appenzell schlussendlich nach Chur. Mit einer Gesamtlänge von 124,2 km war diese Etappe die Längste der diesjährigen Tour. Koller bekam in dieser Etappe die Funktion, zu Beginn des Rennens Angriffe zu kontrollieren und wenn möglich sich auch einer Angriffsgruppe anzuschliessen. Gegen die zweite Rennhälfte war sie vor allem in der Funktion des Helfers engagiert, holte die Verpflegung und kühlendes Eis beim Teamfahrzeug ab und verteilte dies an ihre Teammitglieder, damit alle wieder mit Trinkflaschen und co. versorgt waren. Kollers Kräfte liessen sie die ersten 100km bis an den St. Luzisteig im Bündnerland mit dem Feld mithalten. Von dort aus fuhr sie dann in einer kleinen Gruppe hinter dem Feld die letzten Kilometer Richtung Ziel in Chur.  

 

4.       Etappe: Chur – Lantsch/Lenz, 100km & 2'293hm

Die vierte und finale Etappe der diesjährigen Frauentour war zugleich die sogenannte «Königsetappe» mit sagenhaften 2'293 Höhenmetern, die es zu bewältigen galt. Nach 20 flachen Kilometern führte die Strecke hoch zum Wolfgangpass, dem höchsten Punkt der diesjährigen Tour. Dannach folgte eine rund 30km lange Abfahrt, bevor es Richtung Zielort Lantsch/Lentsch hochging. Auch an diesem Tag prognostizierte der Wetterbericht wieder sehr warme Temperaturen.  Die Etappe verlief von Chur aus über Landquart und Davos bis in die Roland Arena in Lantsch/Lenz. Für Koller war diese Etappe mit etwas vielen Höhenmetern verbunden, was ihren Fähigkeiten nicht optimal entgegen kam. Auch bei dieser Etappe hatte sie die Funktion, frühe Angriffe zu kontrollieren und später das Team mit Verpflegung zu versorgen. Angriffe gab es aber zu Beginn keine, das Feld war total ruhig und ging mit dem Tempo vom Team Canyon/Sram mit. So fuhr das gesamte Feld in den ersten knackigen Anstiegen von Küblis nach Klosters. Bis nach Klosters konnte Koller dem Tempo des Feldes folgen, von dort musste sie das Feld aber ziehen lassen und fuhr in ihrem Tempo innerhalb einer kleinen Gruppe Richtung Tiefencastel. Rund 5km vor Zielankunft merkte Koller die beanspruchten Beine und die warmen Temperaturen schon deutlich mehr und es zog ihr wortwörtlich den Stecker. Keine Energie war mehr übrig und so fuhr sie allein bis ins Ziel in der Biathlonarena in Latsch/Lenz.  

 

Insgesamt war die Tour für Koller ein tolles Erlebnis und vor allem ein super Training, auch wenn die letzten zwei Etappen für sie nicht mehr ganz so toll waren. Für Koller war es aber sehr schön, die Schweizer Nationalmannschaft vertreten zu dürfen und für die kommenden Weltcup Rennen auf dem Mountain Bike war dies ein super Element innerhalb des anstehenden Trainingsblocks. Auch konnte Koller Verschiedenes für ihre weitere Karriere lernen. Unter anderem zeigte ihr die Tour, wie wichtig und essenziell die richtige Verpflegung bei solch hohen Temperaturen ist. Nicht nur während des Rennens, sondern speziell auch danach. Gerade bei hohen Temperaturen erzählt Koller, muss sie sich zukünftig einfach noch mehr quälen zu essen, damit die Speicher für die nächsten Tage gefüllt sind und die Erholung beginnen kann. Bei dieser Tour wurde ihr dies bei Etappe drei und vier etwas zum Verhängnis, die Speicher waren nicht mehr optimal gefüllt, da die Hitze ihr zu schaffen machten.

Für die Zukunft ist deshalb klar das Ziel, mit der Hitze noch besser umgehen zu können und die Verpflegung weiterhin zu optimieren, dass auch an einem heissen oder Mehrtagerennen die Beine bis zum Schluss optimal versorgt sind und das ganze Potential ausgeschöpft werden kann 😊

 

Resultate

Bilder: Sam Buchli & Arne Mill